nelson

Merheim

Auf in die Klapse! (aber wieder zurück), 18. März 2013

Meine Heimat für längere Zeit: die Klapsmühle in Merheim. Darf man eigentlich Klapsmühle sagen oder ist das ein verpöntes Wort unter psychisch Kranken? Wie auch immer. Kurz nach 9 Uhr verlasse ich meine Wohnung in Köln-Mülheim und muss bereits die Sonnenbrille aufsetzen. Auf meinem Weg zur Strassenbahn-Station komme ich noch vorbei an der Adamsstrasse. Dort werden Leuten mit psychischen Problemen nach Austritt einer Klinik behandelt. Auch ich hatte mal kurz das Vergnügen, dort an Gruppentherapien teilnehmen zu dürfen.

Dann besteige ich zum ersten Mal auf diesem Ausflug die Strassenbahn. Zuvor habe ich ein Ticket gelöst. In der Bahn bereits viele Menschen. Ich schreibe ein wenig mit, was ich so sehe. Da steht eine Frau mit einem weiss-beigen Hund. Beim Schreiben habe ich vergessen, ob man das Ding, was da fährt, jetzt schon wieder wie nennt. "Wissen Sie, wie das hier heisst. Bahn oder wie?" So frage ich die Hundedame, welche ihrerseits nur trocken kommentiert: "Das ist ein Flugzeug." Ja, lustig sind sie, die Kölnerinnen und Kölner. Ein Mann mit Mütze und Handy steigt ein. Aus dem Lautsprecher tönt es dann: "Nächster Halt - Köln Messe. Ausstieg links." Draussen ist wunderbares Wetter. Die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht. Der Halt bei Köln Messe ist vorbei, es geht weiter. Der weiss-beige Hund hat sich kurz hingesetzt. Dann kommt Bahnhof Deutz / Lanxess Arena, wir müssen raus. Bevor es weitergeht Richtung Merheim, schaue ich kurz bei meinem Betreuer M. S. vorbei. Er ist zuerst nicht da, kommt dann doch und händigt uns das Geld für zwei Wochen aus. Dann geht es zurück zur Station Bahnhof Deutz / Lanxess Arena. Etwas verwirrend ist die Anzeige für mich. Bisher stand dort immer Endstation Bensberg für die Linie Eins. Heute steht dort Brück. Ein freundlicher junger Mann sagt mir dann, dass diese Bahn schon Richtung Merheim fahre. Perfekt!

K800 Merheim-Untergrund

Hier bin ich zuerst verdutzt. Brück? Sonst hiess es doch immer Bensberg.

Jetzt kommen wir unserem Ziel schon näher. Zuerst musste ich in der Bahn noch stehen, dann wurde ein Platz frei - neben einem Mützenträger der Musik hört. Zum Sound wippt er mit den Füssen. Ein Blick durch die Bahn hier:

K800 Merheim-Bahn

Und dann sind wir schon fast da: Merheim. Ich steige aus, mache noch schnell ein Foto mit dem Merheim-Schild, das ich hier aber nicht publiziere und gehe zur Busstation. Der Bus fährt direkt zur LVR Klinik. Ein kleiner Uhren-Check: Es ist 10.30 Uhr, der Bus fährt um 10.46 Uhr. Da haben wir ja noch Zeit, kurz in den Kiosk zu schauen. Doch im Kiosk ist nichts, was unser Herz begehrt und wir verlassen den Kiosk wieder. Nicht ohne festzustellen, dass drinnen zwei Männer am Diskutieren waren und eine Frau Kaffee zubereitete. Draussen werden wir empfangen von einigen pickenden Tauben. Ich muss in den Bus einsteigen und in wenigen Minuten, um genau 10.50 Uhr, erreichen wir die LVR Klinik.

K800 Merheim-Bus

Im Bus zur LVR Klinik.

Nein, Merheim. Wohlbekannte Stätte. Nur sind wir dieses Mal hier, um eine Reportage zu schreiben. Wir gehen in die Aufnahme und da läuft uns ein Oberarzt in die Arme. Ein gewisser Laumann. Er scheint besorgt und ist verdutzt über unsere Angabe, hier eine Reportage zu machen. "Geht es ihnen gut?" fragt Laumann um dann gleich nachzudoppeln: "Oder vielleicht zu gut?" Ob ich noch in Behandlung an der Adamsstrasse sei und bei wem genau. Ich habe keine Lust mehr, mit ihm zu sprechen und sage, ich müsse jetzt gehen und wolle Leute hier besuchen. Und weg war ich. Draussen beim Raucherstand steht ein junger Mann. Sascha heisse er und es sei ausgesprochen langweilig. Aber besser sei es doch hier in der Klinik als zu Hause herumzugammeln. Dann entdecken wir einen Mann mit Bart und setzen uns zu ihm.

Merheim-Mann

Wie oft er seinen Bart schneide, will ich von dem Mann im Raucher-Häuschen wissen. "Alle paar Jahre mal." Das letzte Mal hätte er den Bart vor 14 Tagen geschnitten. Ich erfahre von ihm, dass er wegen Paranoia hier ist. Was er denn hier gut fände, frage ich nach und er sagt: "Die Zigis." Zigaretten finde er gut. Etwas anderes könne er dazu gar nicht sagen - bringe er gerade nicht auf die Reihe.

Wir machen uns auf zum Kiosk auf dem Klinkareal. Der Mann, der dort am Arbeiten ist, heisst Achim. Verkaufen, auffüllen - alles mache er. Besonders häufig werde Cola gekauft, Getränke überhaupt. Dann muss er die Ausführungen kurz unterbrechen, weil eine Kundin Waren für 10 Euro und 40 Cent bezahlen will. Interessant auch die Zeitschriften: für den geneigten Herrn gibt es hier auch den Playboy. Aktuell mit der DSDS-Sängerin Sarah Joelle Jahnel auf dem Cover.

K800 Merheim-Kiosk

Beliebt: Kiosk in der Psychi.

Dann machen wir uns auf zur Station 16. Dort war ich einmal längere Zeit Patient. Es war die Zeit, in der ich neben den Therapien immer mit dem Allsehenden Auge in Kontakt gestanden bin. Das aber nur nebenbei. Auf den Stühlen beim Eingang sitzen zwei Männer. Ich setze mich dazu und kommentiere, was ich sehe. Das scheint den einen so zu irritieren, dass er aufsteht und etwas sagt von "nein, Journalisten und Presseleute wollen wir nicht hier". Dann erkenne ich eine Schwester. Sie scheint mich auch noch zu kennen und kommt bei mir auf das Stichwort Papst. Sie ist daran interessiert, diese Reportage zu lesen und ich stecke ihr die Adresse der Website zu. Sollte sie das hier wirklich lesen, die allerbesten Wünsche - auch wenn ich ihre Akupunktur-Methoden nicht wirklich genossen habe. Ich verabschiede mich und im Lift treffe ich auf Patrizia. Sie ist mir ebenfalls bekannt und in kurzen Worten erklärt sie, sie sei hier wegen Selbstmordgedanken. Es sei einfach alles zuviel zurzeit in ihrem Leben. Ich sage tschüss und verlasse das Gebäude.

K800 Mehrheim-Gebäude

Ein kurzer Abstecher mache ich in die Kapelle, wo ich aber keine Kerze anzünde. Dann fährt schon bald der Bus zur Station Merheim zurück. Auf der Bushaltestelle wartet bereits ein Mann im Mantel und mit Bart. Als er einsteigen will, weil der Bus kommt, gehen die Türen wieder zu. "Dann warten wir halt", sage ich und der Mann meint: "Wir haben ja Zeit." Und der Bus lässt sich wirklich noch ein wenig Zeit, kommt dann aber auch und ich trete meine Rückreise an.

Mehrheit Foto Beni

In Mülheim angekommen, besuche ich noch Foto Beni, der für mich ein Bild von Maria Magdalena Hafenscheer eingescannert hat. Und wie er das wieder gemacht hat, genial! Es ist halt Issa - was soviel heisst wie Jesus. Und so beende ich meinen kleinen Ausflug nach Merheim; bin froh, dort nicht mehr sein zu müssen, da ich nur so lange in der Psychiatrie einsitzen musste, bis ich erkannt hatte, wer ich bin, wer das Allsehende Auge* ist und was d i e Wahrheit* ist. Freuen Sie sich bereits auf die nächste Reportage. Selbe Stelle. Hier auf der weltbesten Website.

* Zu früh gefreut, es ging nochmals nach Merheim, um zu klären, dass d i e Wahrheit erst in Wien entgegengenommen wird von Muskatnuss.